Corine 2002
Die ehemalige Queen of Punk hüllt die Figur der Corine in schrilles Gelb. Die Schürze aus schwarzer Spitze und die kesse Schleife, die sie um den Hals gebunden hat, lassen die Rokoko-Dame alles andere als brav erscheinen. Doch erst die leuchtend rote Feder auf ihrem Haupt verleiht der Figur einen Hauch der typisch westwoodschen Frivolität.
„Es ist schwer heutzutage noch Avantgarde zu sein. Die Leute haben sich an alles gewöhnt“, sagt Vivienne Westwood, die Grande Dame der englischen Mode und Erfinderin des Punk-Chic. Und daran dürfte sie nicht ganz unschuldig sein, denn im Gründe lässt sich alles, was in den letzten 35 Jahren an modischer Avantgarde aus England kam, auf ihr Schaffen zurückführen. Ihre Mode ist ein Plädoyer für Individualismus und Haltung, ihre Provokationen nie Selbstzweck, sondern ein Aufbegehren gegen Konformismus und Mittelmaß. Ihre eindrucksvolles Lebenswerk spielt mit Klischees weiblicher Sexualität, vergisst bei diesem Spiel aber nie Tradition und Geschichtsbewusstsein. Vivienne Westwood ist, wenn man so will, eine zutiefst konservative Rebellin.
Westwoods Mode hat – dadurch dass sie Gestik und Körperbewegung in ihren Entwürfen mitdenkt – immer etwas Theatralisches. Sie stellt ihre Models auf Plateauabsätze, damit sie anmutiger stolzieren, schnürt sie in Mieder und Korsetts, um ihre Konturen zu schärfen. Es geht ihr um Haltung und Würde, nicht um Bequemlichkeit.
Die zierliche, in reiner Handarbeit gefertigte Rokoko-CORINE, die Franz Anton Bustelli 1759/1760 im Rahmen seiner Commedia dell' arte Figurengruppe entworfen hatte, wird den Preisträgern des internationalen Buchpreises alljährlich als Trophäe überreicht. Nach Entwürfen aus der Feder von Modeschöpfern wie Vivienne Westwood (2002), Missoni (2003), Karl Lagerfeld (2004), Escada (2005), Miuccia Prada (2006) und Valentino (2007) erhielt die Corine 2008 ein bleibendes Kleid.