Saâdane Afif: The Fairytale Recordings
Im Schinkel Pavillon Berlin präsentierte Nymphenburg in Kooperation mit der Galerie RaebervonStenglin eine Performance des Künstlers Saâdane Afif mit Objekten aus Nymphenburg Porzellan: The Fairytale Recordings. Es ist die erste Arbeit des Marcel Duchamp Preisträgers (2009) für Nymphenburg und seine erste in Porzellan überhaupt.
Saâdane Afifs höchst reflexives Arbeiten ist interdisziplinär angelegt, verbindet Bildende Kunst mit Text, Musik und Bewegung, und verwandelt in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern eine Kunstform in eine andere. Indem Afif Schriftsteller einlädt, zu Werken Bildender Kunst zu schreiben, dann wiederum Musiker und Schauspieler auf die so entstandenen Texte reagieren lässt, überträgt er das Visuelle auf andere Sinne.
In Afifs Einzelausstellung im Schinkel Pavillon Berlin wurde solch ein Kreislauf zur Gänze durchgespielt: The Fairytale Recordings geht von früheren Werken Afifs aus, zu denen die Autoren und Künstler Tom Morton, Lili Reynaud-Dewar, Mick Peter, Ina Blom und Tacita Dean Liedtexte entwickelt haben, die das Wesen der Werke widerspiegeln.
Von den Texten ausgehend hat Afif mit der Opernsängerin und Schauspielerin Katharina Schrade eine Performance erarbeitet, in der jeder Text zum Teil nachgesprochen und zum Teil in eine Inszenierung umgewandelt wurde. So entsteht eine Übertragung, eine Verarbeitung des Textes, der am Ende in eine speziell angefertigte Nymphenburg Vase gesprochen und dann versiegelt wurde und die Verse für die Ewigkeit in sich behält.
Nach Afifs Entwürfen wurden die acht ausgestellten Vasen in den Meisterwerkstätten der Porzellan Manufaktur Nymphenburg rein von Hand gefertigt. Jedes Objekt trägt eine andere Figurine, die Schrade in der Körperhaltung darstellt, in der sie ihre Performance beginnt. Außerdem geben eine Referenznummer, der Titel des Liedes und das Datum die jeweiligen Informationen zu der Aufnahme selbst wieder. Für Saâdane Afif spielen alle am Entstehungsprozess Beteiligten eine wichtige Rolle – die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, die Autoren, die Schauspielerin und ihre Kostümbildner. Er sucht sie sorgfältig aus, um das Werk dank ihres speziellen Wissens und ihrem Savoir-faire mit Leben zu füllen.
Die Idee für diese Arbeit führt zurück zu (historischen) Vorstellungen von Tonaufnahmen noch vor Thomas Edison, zu Gedanken wie man diese in der Literatur vor der Aufklärung findet – beispielsweise bei François Rabelais, der sich die Möglichkeit ausmalte, das gesprochene Wort könnte eingefroren werden – oder auch zur animistischen Vorstellung, dass nicht-menschliche Daseinsformen geistige Lebenskräfte verkörpern können.
The Fairytale Recordings, 2011 Performance mit acht Vasen aus Porzellan, glasiert, bemalt, Auflage 3, Preis auf Anfrage
Ausstellung: 29.10-11.12.2011 / Schinkel Pavillon e.V., Nina Pohl / Stephan Landwehr, Oberwallstraße 1, 10117 Berlin / Do / Fr / Sa / So 12 - 18 Uhr www.schinkelpavillon.de