Formerei

Alle Einzelteile, die sich nicht auf Drehscheiben formen lassen, werden von Hand gegossen. Dazu wird der sogenannte „Schlicker“, die verflüssigte Porzellanmasse, in bis zu 15mal wieder verwendbare Arbeitsformen aus Gips gefüllt. Diese Formen, die sich oft aus zahlreichen „Keilstücken“ zusammensetzen, entziehen dem Schlicker das Wasser und verdichten ihn so zum Scherben. Viele Nymphenburg Gedecke und Figuren bestehen aus zahlreichen Einzelteilen – einige Figurengruppen aus bis zu 100, komplizierte Objekte – wie der Frankenthaler Lüster – können sogar über 20.000 Einzelteile umfassen. Diese werden einzeln gegossen, getrocknet und nach den originalen Vorlagen in der Bossierstube sorgsam zusammengefügt. Dort werden auch Blätter und Blüten, Girlanden und Dornen freihand modelliert und mit einem Skalpell einzeln an Hecken, Bäume, Kruzifixe oder Terrinen angarniert. Das Wissen, in wie viele Einzelteile eine Figur für die Herstellung zerlegt werden muss, wird im Haus Nymphenburg seit dem 18. Jahrhundert kontinuierlich weitergegeben. Daneben braucht es sorgfältige Hände, die die Einzelteile in gekonnter Balance aus Druck und Zartgefühl wieder zusammenfügen.

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