Regis Mathieu

im Interview

Monsieur Mathieu, was fasziniert Sie so am Porzellan von Nymphenburg?
Nymphenburg arbeitet ähnlich wie unsere Fertigungsstätte. Alle Stücke werden per Hand hergestellt. Das ist wirklich wichtig, wenn man einen individuell gefertigten Leuchter realisieren will. Für mich ist die Verbindung von diesem weißen Biskuitporzellan mit versilberter Bronze wahrlich einzigartig. Die Form des Leuchters entspricht dem typischen Rokoko-Stil, die besondere Kombination des Materials wirkt aber sehr zeitgenössisch. Für den Leuchter wurden spezielle Gussformen in Nymphenburg gefertigt, um Komponenten des Leuchters mit der flüssigen Masse zu gießen. Die Experten in den Meisterwerkstätten haben jedes einzelne Blatt für die Blüten per Hand geformt. So wird es ermöglicht, wirklich unnachahmliche Werke zu schaffen.

Haben Sie Ihre Technik für diesen Leuchter verändert?
Nein, wir haben von Anfang an mit traditionellen Techniken gearbeitet und wir arbeiten weiterhin mit denselben Techniken, weil unsere Kunden Lösungen für Licht mit unserer typischen Handschrift suchen. Manchmal fragen sie nach einem speziellen Center Piece wie diesem Leuchter. Was die Menschen aber von uns wollen, ist eine ganzheitliche Lösung mit Licht. Also denken wir darüber nach, einige andere Lichtpunkte im Raum zu schaffen, wenn Menschen beispielsweise einen Monet oder ein anderes bedeutendes Gemälde an der Wand hängen haben. Und wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind, ist der Raum komplett. Für diese Lösung für Licht und die Lichtfarbe arbeiten wir mit modernen Techniken, aber für das Design bleiben wir unseren Ursprüngen treu. Es ist ähnlich wie bei Nymphenburg. Sie arbeiten seit ihrer Gründung 1747 mit denselben Techniken. Beispielsweise enthält dieser Leuchter sogar hunderte separate Einzelteile. Sie werden einzeln gegossen und vorsichtig in der Formerei zusammengefügt. Dort werden auch Blätter und Blüten per Hand geformt und einzeln an den Leuchter angebracht.

Wer ist der typische Kunde von Mathieu Lustrerie?
Wir haben nicht den einen speziellen Typ von Kunden. Alle von ihnen wollen ihre ganz eigene Lösung für Licht für einen bestimmten Raum. Vom Notre Dame in Paris, über das Wallraf-Richartz-Museum in Köln, Paläste auf der ganzen Welt, Ausstellungsräume von Luxusmarken wie Cartier oder Louis Vuitton bis hin zu Privathäusern. Jedes Projekt mit Licht ist anders und speziell. Außerdem haben seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr Architekten die Vielfalt und die Möglichkeiten von Nymphenburg Porzellan für die Gestaltung der Innenausstattung, wie in berühmten Hotels, Privathäusern und Segel-Yachten, entdeckt. Leuchter, Leuchten und Objekte zum Innendesign aus Porzellan von Nymphenburg werden mit der Produktentwicklung maßgefertigt für den Auftraggeber umgesetzt.

Wie beginnen Sie Ihre Arbeit bei einem Licht-Projekt?
Es ist wichtig, eine Beleuchtung für einen speziellen Raum zu wählen. Jedes Detail ist wichtig, zum Beispiel die Fenster, Gemälde an der Wand oder die Deckenhöhe. Wenn man seine Arbeit richtig gut gemacht hat, bildet das gesamte Licht des Raumes eine Einheit. So machen Menschen nicht mehr die Quellen des Lichts aus. Deshalb müssen wir die Leuchter für unsere Klienten als Expertenteam für sie anbringen und schaffen damit eine wunderbare Kulisse.

Wo finden Sie Inspirationen für alle diese unterschiedlichen Projekte?
Ich reise viel, um besondere Materialien und Kooperationspartner, die für die gleichen Werte wie individuelles Design und höchste Qualität stehen, zu finden. Wir arbeiten auch mit Steinen wie Citrin oder Topas. Ich muss um die ganze Welt fliegen, um erlesene Steine zu suchen und es dauert extrem lange, die richtigen zu finden. Wir breiten sie über den gesamten Tisch in unserem Atelier aus, betreiben kuratorische Arbeit mit ihnen und finden heraus, welcher Farbton der kleinen Stücke zu anliegenden Farbtönen passt. Es ist ein ziemlich langer Prozess, aber er ist es absolut wert.

Finden Sie noch Lehrlinge für Ihr so rares Handwerk?
Es gibt spezielle Schulen für Licht-Design und es gibt viele junge Menschen mit großem Ehrgeiz. Um Teil meines Teams zu werden, muss man unsere Liebe für die Techniken und unsere Arbeit mit uns teilen. Unsere Mitarbeiter sind aufgeschlossen und hochmotiviert. Das ist von Vorteil dafür, dass sie für sehr lange Zeit in unserer Fertigungsstätte bleiben – zum Beispiel über 15 Jahre lang oder sogar ein ganzes Leben. Die Künstler in Nymphenburg brauchen ebenfalls jahrelange Erfahrung für die Fertigung handgemachter Leuchter. Die Ausbildung dauert normalerweise drei Jahre. Bei dieser Arbeit lernt man jedoch nie aus. Es vergehen dann oft noch bis zu 15 Jahre bis man ein komplexes Objekt wie einen Leuchter fertigen kann.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten?
Licht ist wirklich wichtig für die ganze Atmosphäre in einem Raum. Wenn man beispielsweise einen großen Kristall-Leuchter aus dem 19. Jahrhundert hat, ist der Kristall richtig klar und bei einem sehr weißen Licht sollte man einige gelblichere Lichter in den Ecken des Raumes anbringen. Ansonsten wäre die Atmosphäre sehr kalt. Es ist wie ein Theaterstück auf einer Bühne, das man in Szene setzen muss. Man muss einige Objekte als Glanzpunkte hervorheben oder einen Leuchter selbst zum Glanzpunkt des Raumes machen – es ist wie Magie.