• Designer Rolf Sachs

  • Die/das Maß, 2014

    Porzellan weiß, biskuit

Rolf Sachs

Mit Die/das Maß greift Rolf Sachs den Maßkrug als klassischen Archetyp eines Trinkgefäßes auf, der stellvertretend für die deutsche Trinkkultur steht. Allerdings unterscheidet sich dieser in zweierlei Hinsicht von den handelsüblichen Krügen: Zum einen ist er siebenmal so groß wie die bekannte Einliter-Maß, wodurch augenfällig die Gegensätzlichkeit der Begriffspaarung maßvoll/maßlos zum Ausdruck kommt. Zum anderen setzt Sachs statt Pressglas oder Steingut hochwertiges Biskuitporzellan, aus den Meisterwerkstätten der Porzellan Manufaktur Nymphenburg ein, ein Material also, dass nicht für Massenproduktion, sondern für kunsthandwerkliche Qualität und künstlerische Wertschätzung steht. Mit der materiellen und maßstäblichen Transformation des Maßkruges hat Sachs in Zusammenarbeit mit Nymphenburg eine komplett neue haptische und optische, geradezu surreale Wahrnehmung, durch die der Betrachter bewusst irritiert aber auch zum Schmunzeln angeregt wird, geschaffen.

In der Ausstellung „typisch deutsch?“ im MAK, Köln, 14. Januar bis 21. April 2014, für die der Krug aus Nymphenburg Porzellan entwickelt wurde, verdichtet der Künstler und Designer Rolf Sachs seine persönliche Auseinandersetzung mit vermeintlich deutschen Eigenschaften und Klischees in einer spannenden Präsentation von Objekten und Installationen. Die ausgewählten Arbeiten umgibt ein feinfühliges Netz assoziativer Verbindungen, die mit Begrifflichkeiten wie Fleiß, Reinlichkeit, Gemütlichkeit, wie auch Angst, Sehnsucht und Wanderlust spielen und von der Vielfältigkeit der deutschen Kultur erzählen.

Rolf Sachs’ Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design und zielen darauf ab, den Betrachter durch seinen konzeptionellen Ansatz zu überraschen und zu neuen Betrachtungsweisen anzuregen. Sachs kreiert Werke, die auf bereits Bekanntes anspielen und sich im kollektiven Gedächtnis verankert haben. Den gemeinsamen Anknüpfungspunkt liefern Objekte, die uns aus einem bestimmten Alltagszusammenhang geläufig sind und in denen Sachs eine eigene Seele und Charakter spürt. Seine Leidenschaft für alchemistische Experimente und die Faszination für das Unerwartete führen dazu, dass er die übliche Verwendung von Materialien hinterfragt und neu interpretiert. Menschliche Interaktion wie auch das Einbeziehen humoristischer Elemente sind typische Charakteristiken seines multidisziplinären Werkes.

Die Bandbreite seines Schaffens reicht von Möbeln, Leuchten, Objekten und Installationen, Bühnenbildern für Oper und Ballett bis zur Fotografie und architektonischen Projekten. Seine Werke werden in Einzelausstellungen in internationalen Design- und Kunstgalerien gezeigt. Sachs’ interdisziplinäre Herangehensweise bildete die Grundlage für kreative Auftragsarbeiten für Unternehmen und Institutionen wie dem Victoria & Albert Museum in London, dem Les Ballets und der Opéra de Monte-Carlo, dem Staatstheater Wiesbaden, der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Fortis Watches und anderen.

Rolf Sachs wurde 1955 in Lausanne (Schweiz) als Sohn eines deutschen Unternehmers und einer französischen Mutter geboren. Kreativ seit seiner frühesten Jugend und von der ihn seit seiner Kindheit umgebenden Kunst inspiriert, begann er nach Studien in den USA und Großbritannien in den späten Achtzigerjahren künstlerisch tätig zu werden. Im Jahr 1994 zog Sachs mit seiner Frau Maryam und seinen drei Kindern nach London und gründete dort sein Studio rolf sachs fun c’tion.

Offizielle Website: www.rolfsachs.com

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