Christian Lacroix

Christian Lacroix erobert die Welt der Haute Couture mit einem Paukenschlag. Als er 1987 seine erste eigene Kollektion zeigt, lässt das Publikum vor Begeisterung Blumen auf ihn regnen; die Kritiker sprechen von Befreiung und einer Zäsur. Mit folkloristischen Motiven aus Stierkampf, Flamenco und Kirche, mit explodierenden Farben und theatralischer Opulenz gibt Lacroix der Haute Couture, die in Formalismus und Gediegenheit zu erstarren drohte, das Verschwenderische zurück. „Ich hasse die Leere“, schreibt er in seinen biografischen Aufzeichnungen, „und ich weiß, dass ich sie immer mit Blumen, Malerei oder etwas ähnlichem füllen werde. Ich war immer gefangen zwischen der Reinheit der Struktur und der Exstase des Ornamentalen. Mir sind die Zigeuner vom Ganges genauso nahe, wie die Bohemians aus Kensington.“

Christian Lacroix wird 1951 im südfranzösischen Arles geboren, studiert Literatur in Montpellier und Kunst an der Sorbonne in Paris. Seine Abschlussarbeit widmet er der Mode in Gemälden des 18. Jahrhunderts – der Zeit des Franz Anton Bustelli. Er will Museumskurator werden, doch dann tritt Françoise Rosenthiel in sein Leben, die er 1974 heiratet: „Sie war es, die mir die Türen öffnete zu meiner künstlerischen Entfaltung. Begegnungen mit Designern, mit Jean-Jacques Picart, der ein Pressebüro unterhielt, mit Guy Paulin und Hermès führten mich in eine Welt ein, die schließlich zu meiner eigenen wurde.“ 1978 beginnt er als Zeichner bei Hermés, wechselt bald darauf als Assistent zu Guy Paulin und wird Chefmodellist beim Couture-Haus Jean Patou. Dort legt er den Grundstock für seine eigenen Interessen: „Patou repräsentierte all das, was die Basis meiner Arbeit bleiben sollte: Geschichte und Revolution, Historisches und Modernes, Vergangenheit und Zukunft.“

Seitdem zählt Christian Lacroix zu den wichtigsten Erneuerern der Haute Couture. Er verbindet die mediterrane Tradition seiner Heimat mit femininer Eleganz, ethnische Einflüsse aus aller Welt mit höchster Schneiderkunst. Zu seinem reichen Zitatenschatz zählen die Hippiemode ebenso wie das Ancient Régime oder der französische Eskapismus des Fin-de-siècle – eine Offenheit im Denken die getragen ist von der Lust, scheinbar Unvereinbares zusammen zu bringen. Berühmt ist er für seine Vorliebe für floralen Muster und für „Le Pouf“, den beschwingt federnden Pluster-Rock. Die 90er Jahre, als Grunge und Minimalismus den Pomp der 80er wegfegen, empfindet Lacroix als harte Zeit: „Es war wie ein Klotz am Bein für mich. Das Geschäft mit der Haute Couture lief schlecht.“ Der unabhängige Modemacher muss plötzlich Zugeständnisse an den Zeitgeist machen. Mit kommerziellen Linien für Düfte, Sportswear, Jeans und Kindermode baut er sein Haus zur Lifestylemarke aus. Von 2002-2005 ist Lacroix Kreativdirektor des italienischen Modehauses Pucci, 2004 entwirft er die Uniformen für die Air France Besatzungen. Neben seiner Arbeit als Couturier entwickelt Lacroix Kostüme für Film, Theater, Oper und Ballett.

Offizielle Website: http://www.christianlacroix.fr/

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