Damiano Biella

In der Liebe, so heißt es, ziehen sich Gegensätze an. Im besten Fall entsteht daraus etwas, das mehr ist als die Summe zweier Schicksale. Als Margarethe und Wolfgang Ley 1974 heiraten, ist sie ein ehemaliges Mannequin mit einem Händchen für Design und er ein ambitionierter Unternehmer, der neue Herausforderungen sucht. Zusammen gründen sie eine Produktionsfirma für Strickwaren in München. 1976 geht daraus das Label Escada hervor – das bald zur einzigen deutsche Luxusmarke von Weltruf aufsteigen sollte. Der Name stammt von einem irischen Rennpferd. Die leuchtenden Farben Spaniens und die extravagante Welt des Pferderennsports sind perfekte Chiffren für den Stil, den das Modehaus prägt: repräsentativ, luxuriös, auffällig. Escada versteht sich von Anfang an als „Phalanx gegen noble Blässe und erlesene Schlichtheit“.

Die beiden Eheleute ergänzen sich vortrefflich: Er übernimmt das Geschäftliche, sie ist fürs Kreative zuständig. Die Schwedin hatte in den 60er Jahren nicht nur für das österreichische Modehaus Fred Adlimueller und für Jacques Fath in Paris gemodelt, sie hatte bereits als Designerin für die deutsche Modemarke Mondi gearbeitet. Ihre erste gemeinsame Kollektion zeigt das Paar 1979. Das aufwändige Strick-Design, die plakativen Intarsien und Applikationen auf Pullovern und Jacken treffen einen Nerv. 1980 folgt der Lauch der jüngeren Zweitlinie Laurel, noch ein Jahr später nimmt man bereits den US-Markt ins Visier. Escadas selbstbewusste Mode für die distinguierte Frau passt zum Zeitgeist der Achtziger Jahre, als die Konsumverweigerung der Posthippie-Generation plötzlich einem neuen Hedonismus weicht. Dem Label beschert das einen schnellen Aufstieg: Nach dem Börsengang 1986 folgt der systematische Ausbau zum Konzern, der alle Bedürfnisse der Zielgruppe abdecken soll. Zunächst mit der Übernahme von Marken wie Schneeberger, Kemper und St. John Knits, schließlich mit der Einführung von Linien für Accessoires, Kosmetik, Düften, Schmuck und Schuhen. Diversifikation heißt das Gebot der Stunde, das sie gesamte Modebranche wie im Sturm erfasst. Neben deutschen Labels wie Hugo Boss, Joop! und Jil Sander positioniert sich Escada als Luxusmarke für die „arbeitende Frau, die ein gewisses Vermögen hat“, so Margaretha Ley.

Zum Aushängeschild werden aufwändige Haute Couture Kreationen, Abendroben und Brautkleider. Vor allem aber eine Ästhetik, die Luxus und Status in gewagte Muster und Farben übersetzt. Zu den treuen Kunden des Münchner Modehauses zählen Kim Basinger, Brooke Shields, Demi Moore und Jerry Hall. Mit eigenen Läden, die bald in allen großen Metropolen der Welt zu finden sind und Readytowear-Mode erobert Escada auch breitere Käuferschichten. Ein Zäsur erfährt diese Erfolgsgeschichte als Margarethe Ley 1992 mit 56 Jahren an Krebs stirbt. Die einsetzende Rezession setzt dem Unternehmen, das noch auf Expansionskurs getrimmt war, zusätzlich zu. Es folgt eine Zeit der Restrukturierung und der Rückbesinnung auf den Markenkern. Nach dem Ausscheiden von Wolfgang Ley aus dem operativen Geschäft ernennt die neue Geschäftsführung 2006 Damiano Biella zum Kreativdirektor. Der Italiener war zuvor bei Valentino und Carolina Herrera tätig. Unter seiner Führung findet die Marke wieder zu alter Form zurück. Sein femininer Glamour, der bewusst auf übertriebene Flamboyanz verzichtet, bringt das Haus vor allem in Amerika schnell wieder ins Rampenlicht: Zu den neuen Fans zählen Schauspielerin Naomi Watts, die ein gelbes Escada-Kleid zur Oscarverleihung trug, Hillary Swank und die neue Werbeträgerin Christy Turlington. „Ich sehe ein unglaubliches Potenzial für diese Marke,“ sagt Biella. „Margaretha war unglaublich erfindungsreich was Farben und Imagbuilding anbelangte. Sie kannte ihre Kundinnen. Die Marke musste lediglich diese Frau wieder finden.“

Offizielle Website: http://www.escada.com/

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