Dominique Sirop

Dass das Handwerk der Haute Couture in Zeiten einer global operierenden und sich permanent überholenden Mode-Industrie noch lebt, ja sogar eine Zukunft hat, ist Designern wie Dominique Sirop zu verdanken. Der Franzose ist auch deshalb so erfolgreich, weil er bereit war, die Haute Couture aus ihren Fesseln zu befreien: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Das große Ballkleid, dessen Herstellung 3000 Stunden in Anspruch nimmt und das mit 4000 Perlen geschmückt ist, ist nicht länger mit der Realität vereinbar,“ sagt Sirop. „Die Zukunft der Couture liegt nicht nur einfach darin, Menschen zum Träumen zu bringen. Meine Kunden tragen die Kleider, die ich ihnen mache, jeden Tag.“ Schneiderkunst und Alltagstauglichkeit, Luxus und Einfachheit – auf diesen Säulen hat Sirop sein Pariser Couture-Haus aufgebaut – und wie es aussieht, damit einen Nerv getroffen.

Dominique Sirop wird 1956 in Paris geboren. Da seine Mutter ein bekanntes Mannequin war, darf man annehmen, dass ihn die Mode schon früh prägt. Er selbst sagt, dass er bereits als 7-Jähriger „Modedesigner, Magier oder Sonnenkönig werden wolle.“ Zehn Jahre später macht er auf Vermittlung seiner Mutter ein Praktikum bei Yves Saint Laurent, wo er die Grundlagen der Schneiderskunst lernt. Sein Talent allerdings entdeckt jemand anderes: 1978 stellt er sich mit einigen Skizzen bei Hubert de Givenchy vor, der ihn sofort als Assistenten einstellt. Bis 1989 währt diese Zusammenarbeit, dann wechselt Sirop als Designer zum japanischen Modehaus Hanae Mori.

Zum Wendepunkt in Sirops Karriere wird das Jahr 1995: Hubert de Givenchy zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und schlägt Sirop als neuen Chefdesigner vor. Der Besitzer des Hauses, Bernard Arnault, entscheidet sich jedoch für John Galliano, der zwar bekannter ist, auf dem Posten aber deplaziert wirkt. Die vermeintlich verpaßte Chance entpuppt sich als Befreiung, denn schon 1996 eröffnet Sirop sein eigenes Modehaus und wird ein Jahr später in den exklusiven Kreis der Pariser Chambre Syndicale de la Haute Couture aufgenommen. Die Kritikerin Suzy Menkes ist eine der ersten, die sein Potenzial erkennt: „Die Bosse der Couture-Häuser wollen schrille Shows, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sirops Kollektion hingegen war ein Weckruf zur rechten Zeit, dass Schnitt und Klasse immer noch das A und O der Haute Couture sind.“ Bald laufen viele ehemalige Givenchy-Kundinnen zu ihm über, was nicht nur an seinen vergleichweise realistischen Preisen liegt, sondern auch an seiner Fähigkeit, klassische Essentials neu zu definieren. Zu seinem treuen Kundenkreis zählen Joan Collins, die jordanische Königin Ranja und die norwegischen Königin Sonja.

Sirops Stil – er selbst bezeichnet sich als „minimalistischen Dandy“ – ist feminin und sinnlich, dabei aber immer pur und zurückgenommen. Seine Stoffe umfließen den weiblichen Körper, seine Farben strahlen Wärme aus, seine Stickereien und Verzierungen fügen sich immer in die schlichten Schnitte ein. Das Erbe im Hause seines Lehrmeisters durfte er nie antreten, seinen Geist aber führt er fort: „Hubert de Givenchy lehrte mich, dass wahre Eleganz darin liegt, alles Überflüssige loszuwerden und so lange an der Silhouette zu arbeiten, bis nur noch die Essenz übrig ist.“

Offizielle Website: http://www.dominiquesirop.com/

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