Elie Saab

Autodidakten stellen den gewohnten Gang der Lehre in Frage. Dafür werden sie vom Rest der Welt in gleichem Maß geliebt, wie sie beneidet werden von ordentlich ausgebildeten Mitstreitern. Der Wille zum Erfolg, der den Autodidakten antreibt, hat auch den libanesischen Modedesigner Elie Saab schon in jungen Jahren erfasst. Wer bereits als Kind seine Zeit am liebsten mit Nähen zubringt, für den stellt eine normale Ausbildung keine wirkliche Herausforderung mehr dar: Als der 1964 geborene Elie Saab Anfang der Achtziger Jahre nach Paris geht, um Mode zu studieren, ist er binnen eines Jahres zurück in Beirut, um sein eigenes Label samt Workshop zu gründen. Damals ist Saab gerade 18 Jahre alt. Und das Beirut seiner frühen Kindheit, diese Mittelmeer-Metropole, deren Eleganz und sophistication ihr den Titel „Paris des Ostens“ eingetragen haben, ist durch einen endlosen Bürgerkrieg ohne Aussicht auf Frieden so ausgehöhlt, dass Elie Saabs Entscheidung, sein Modeimperium von dort aus aufzubauen, mehr als anachronistisch erscheint. Aber Beirut ist eben nicht nur Jahrtausende altes Handelszentrum zwischen Ost und West, es ist auch Heimat einer Bevölkerung, die sich selbst im Bombenterror ihr normales Leben nicht nehmen lässt. Vor diesem Hintergrund lässt sich vielleicht Elie Saabs Hingabe an das Feierliche verstehen, die opulent überbordenden Abendroben und Hochzeitskleider, denen er einen wesentlichen Platz in seinen Kollektionen einräumt. Wer jahrelang nur Krieg und Zerstörung gesehen hat, zelebriert die glänzenden Facetten des Lebens eben umso mehr. Sein Atelier ist noch kein Jahr offen, da zeigt Saab bereits 1982 im Casino du Liban seine erste Kollektion und wird von der einheimischen Presse als „das frühreife Genie“ gefeiert. Bald gehen die entscheidenden Prinzessinnen des Mittleren Ostens bei ihm ein und aus, um exklusive Kleider für besondere Anlässe schneidern zu lassen. Elie Saabs ausgeprägter Sinn für orientalische Romantik, gepaart mit europäisch inspiriertem Chic und kompromissloser Handwerkskunst, spricht sich auch außerhalb der Landesgrenzen herum. 1997 präsentiert er seine erste Kollektion in Rom und wird sofort als erster Nicht-Italiener in die Camera Nazionale della Moda berufen. Das Land der Versaces und Guccis hat per se einen ausgeprägten Sinn für die fast spätrömisch-dekadente Feier des Femininen, die Elie Saab auszeichnet. Saabs großer fashion moment sind die Academy Awards 2002, als Halle Berry ihren Oscar als beste Schauspielerin in einer burgunderfarbenen Robe von Elie Saab entgegennimmt. Ob Christina Aguilera, Charlize Theron, Liz Hurley oder Königin Rania von Jordanien – alle lieben sie ihn für seine üppig drapierte, mit Juwelen, Perlen und Spitze besetzte und kunstvoll bestickte Abendgarderobe. Kein Jahr nach der Oscar-Verleihung wird er geladenes Mitglied der Chambre Syndicale de la Haute Couture in Paris, wo seit 2006 auch seine Prêt-à-Porter Kollektion zu sehen ist. Vertreten ist er inzwischen mit Boutiquen in Paris und Beirut. In einem Interview verrät er, wie er die Frau, für die er schneidert, sieht: „Feminin, elegant und verrückt nach Glamour.“ Und er setzt nach: „Mein Wunsch ist es, jede Frau in einen Schmetterling zu verwandeln, ich will, dass alle ihre Bewegungen so aussehen, als folgten sie einer vorbeiwehenden Brise, die sie jeden Augenblick in die Luft erheben könnte, um wegzufliegen.“

Offizielle Website: http://www.eliesaab.com/

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