Esteban Cortazar

Wunderkinder sind seit Mozart in der Musik zuhause. Nicht erst seit der 1999 von Wolfgang Joop gegründeten Initiative Wunderkind findet man sie auch in der Mode. Als ein solches gilt nicht zuletzt ein junger Kolumbianer, der von Miami aus in kürzester Zeit an die Spitzenränge der Branche gerückt ist und mit 23 Jahren als Chefdesigner bei Emanuel Ungaro verpflichtet wurde. Ein Wunder? Vielleicht. Ein Kind? Gewiss. Als der 1984 in Bogota geborene Esteban Cortazar in den Neunziger Jahren mit seinen Eltern von Kolumbien nach Miami umsiedelt, kommt es bei dem Jungen zu einem Kreativschub: „Nach Miami zu kommen war Kulturschock total. Ich sah zum ersten Mal in meinem Leben Drag Queens, ich sah Designer, ich sah fashionistas, ich sah so viele Dinge. Ich war zwar nur ein kleiner Junge, aber das war alles, was ich sehen konnte.“ Bereits mit 12 dekoriert er die Schaufenster von Vintage-Shops in seiner Nachbarschaft und mit 13 bringt er bei einer Talentshow der South Pointe Elementary School seine erste Kollektion aus neun Entwürfen auf den Laufsteg, getragen von Klassenkameraden. Das Thema Rotkäppchen hat schon fast Symbolcharakter in einer Branche, in der es von „bösen Wölfen“ nur so wimmelt. Cortazar hingegen hat von Anfang ein Händchen für die Guten. Da seine Familie direkt über dem News Café am Ocean Drive wohnt, lernt er wichtige Leute ganz automatisch kennen, darunter auch Todd Oldham, der 1997 seine legendäre Boutique ganz in der Nähe eröffnet. Oldham ist es auch, dem er, 13 Jahre jung, Einblick in sein sketchbook gewährt. Dieser lädt ihn nach New York ein, um eine seiner Modeschauen zu besuchen. Ein Schlüsselerlebnis. Von da an beginnt er, nicht nur Kleidung für sich selbst zu entwerfen, sondern einen Stil zu entwickeln, der für eine ganze Modelinie taugt. Um seine technischen Fähigkeiten zu perfektionieren wählt er eine high school in Miami mit Schwerpunkt auf Design und Architektur. Dazwischen zeigt er seine Stücke auf Modeschauen in Nachtklubs und Hotels. Cortazar wird 1999 mit 15 Jahren der jüngste Designer auf der Miami International Fashion Week. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Esteban stellt sich in New York auf einer Party des Magazins Details selbstbewusst Kalman Ruttenstein vor, Modechef bei Bloomingdales. Als Esteban seine erste Kollektion unter dem Namen CORTAZAR auf der New Yorker Fashion Week 2002 präsentiert, zeigt Bloomingdales sie zwei Wochen lang in den Schaufenstern. Es folgt eine Einladung in Anna Wintours (Vogue) Wohnung, Suzy Menkes von der Herald Tribune verschiebt ihren Flug, um bei seiner Show dabei zu sein. Lenny Kravitz wird sein Mentor und Cindy Crawford kehrt für den jungen Kolumbianer 2004 auf den Laufsteg zurück. Die Attraktivität von Cortazars Entwürfen erklärt Todd Oldham mit dem Einfluss Floridas: „Esteban wuchs an einem Strand auf, umgeben von nackten Brüsten und schönen Körpern. Das prägt. Sein Ansatz ist sexy, aber nicht gewollt. Die Stücke sind luftig, leicht, und sehr young. Das überzeugt.“ Die Farben, die er wählt, reflektieren seine Wahlheimat, den sunshine state: die sehr femininen Gewänder aus Chiffon und bestickter Seide glänzen im strahlenden Gelb der Sonne oder erinnern im Ton an das Blau des Ozeans oder die schimmernde Haut eines Pfirsichs. Zu seinen Fans zählen die Sängerin Beyonce Knowles, Paris Hilton und die Kostümbildnerin Patricia Field, die Sex and the City mit seinen Kleidern ausstattet. Der jüngste Überraschungserfolg des erwachsen gewordenen Wunderkinds ist seine Ernennung zum Chefdesigner von Emanuel Ungaro im Jahr 2007. Damit ist er noch zwei Jahre jünger als Stella McCartney, als sie mit 25 Chloe von Karl Lagerfeld übernahm. Seinem persönlichen Stil mit fließenden Silhouetten und Akzentuierung durch Farben bleibt er auch in seiner ersten Kollektion für Ungaro treu, der zwar vor allem durch seine Prints berühmt wurde, aber wie Cortazar mit seinem latin chic für die Verbindung von feminin und sexy steht. Ungaros Präsident and CEO Mounir Moufarrige bringt es auf den Punkt: „Esteban knows what makes a chick tick.“ Oder, um es mit Estebans eigenen Worten zu sagen: „Ich bin hochinspiriert. Ich will, dass Ungaro wieder cool ist. Ich will, dass jede junge Frau nichts anderes tragen will als Ungaro.“

Offizielle Website: http://www.ungaro.com/

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