Gareth Pugh

Aufblasbare Ballonkleider, bizarre Superheldenkostüme, kubistische Rüstungen – die Kreationen von Gareth Pugh verstören und faszinieren zugleich. Sie scheinen wie aus einer fernen Zukunft ins Jetzt gefallen und haben den Engländer in kürzester Zeit zum Wunderkind der Londoner Modeszene gemacht. Seine surrealen Kleider sind in ihrer Radikalität der Konzeptkunst näher als der Straßenmode. Man kann sie sich gut in Science-Fiction-Filmen vorstellen; und so verwundert es kaum, dass Künstler wie Marylin Manson und Kylie Minogue sich von ihm für ihre aufwändigen Bühnenshows austatten lassen. Das daraus resultierende Enfant-Terrible-Image hat ihm, der noch ganz am Anfang seiner Karriere steht, schon jetzt Vergleiche mit Alexander McQueen, John Galliano und Vivienne Westwood eingebracht.

Gareth Pugh, geboren 1981 im nordenglischen Sunderland, ist ein Frühstarter. Schon mit 14 Jahren arbeitet er als Kostümbildner im Londoner National Youth Theatre – eine Erfahrung, die in seinen skulpturalen Entwürfen bis heute spürbar ist. Mit 16 bricht er seine Ballettausbildung ab, um sich ganz der Mode zu widmen. Nach seinem Abschluss am Londoner Central Saint Martins College im Jahre 2003 dauert es nur zwei Jahre bis zu seinem Debüt auf der Londoner Fashion Week. Pugh schickte eine sinistre Karnevalsparade auf den Laufsteg: schwarz-schimmernde Harlekins mit grotesk dimensionierten Mühlsteinkrägen um den Hals oder Ballonskulpturen auf dem Kopf. Das Spiel mit Volumen und abseitigen Materialien wie Latex, Nerz, Vinyl oder Ballonseide, mit Referenzen auf Geschichte (Absolutismus) und Comic-Kultur (Superhelden) ist sein Markenzeichen geworden. 2007 kürt ihn das Magazin Elle zum Jungdesigner des Jahres, kurz darauf wird ihm der französische Andam-Preis der Association Nationale pour le Développement des Arts de la Mode verliehen, die prestigeträchtigste Auszeichnung der Modeindustrie. Das Preisgeld von 152.000 Euro verschafft ihm erstmals in seiner Karriere finanziellen Spielraum. 2008 zieht er von London nach Paris und bringt dort mit seiner ersten Prêt-à-porter-Schau Publikum und Kritiker einmal mehr zum Staunen: mit Amazonen, vorne weiß und hinten schwarz, die aus einem fernen Schattenreich ans Licht zu kommen scheinen. Mit ihren reptilienartigen Lamellen und raumgreifenden Brustpanzern sind diese Kleider mehr Rüstung als Robe. Ihre Eleganz beziehen sie einmal mehr aus dem Clash von viktorianischer Strenge und Fantasy-Ästhetik. Tragbar ist all das nur bedingt. In einer Industrie, in der Kreativität und Wagemut immer mehr von Profitdenken abgelöst wird, gehört Gareth Pugh mit seiner kompromisslosen Mode und seinem Sinn fürs Spektakel jedoch zweifellos zu den interessantesten Designerpersönlichkeiten der Gegenwart.

Offizielle Website: http://www.garethpugh.net/

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