Igor Chapurin

Der Aufstieg des Moskauer Modemachers Igor Chapurin fällt zusammen mit dem Aufstieg Russlands als neuer Luxusmarkt. Seine Stammkundschaft rekrutiert sich aus der aufstrebenden russischen Mittelschicht: Wie er selber sagt sind es Banker, Schauspielerinnen, Operndiven und Rechtsanwältinnen,. In seiner Heimat ist Chapurin längst eine Größe; man nennt ihn den „russischen Armani“. Sein Mix aus modernem Rich-Chic und Folklore, Nostalgie und Purismus sucht in Russland seinesgleichen, fällt aber auch andernorts auf fruchtbaren Boden. Vor allem in Paris, Mailand und Fernost gilt er als Geheimtipp, von dem noch einiges zu erwarten ist. Ein Ruf, den er gerne annimmt: „Es ist paradox,“ sagt Chapurin, „die ganze Welt versucht gerade in Russland Fuß zu fassen, während ich versuche aus dieser Welt auszubrechen.“

Igor Chapurin wird 1969 in Velikie Luki geboren, einem kleinen Städtchen nahe der weißrussischen Grenze. Sein Großvater war ein Pionier und Spezialist für die Gewinnung für Leinen, seine Eltern leiteten eine Nähfabrik. 1992 gewinnt er einen von Nina Ricci ausgerufenen Wettbewerb für Jungdesigner in Paris. Das Angebot, bei Max Mara als Designer anzufangen, schlägt er aus: „Ich sah meine Zukunft in Russland, nur hier konnte ich mich als Künstler ausleben.“ 1995 zeigt er seine erste Haute Couture Kollektion, die den Titel trägt To Russia With Love – eine Liebeserklärung an die russische Modetradition, modernistisch umgesetzt. Er wird offizielles Mitglied der russischen Haute Couture Gesellschaft und gewinnt in der Folge diverse Modepreise, u.a. zweimal das Goldene Mannequin und den russischen Nationalpreis. Chapurins Kollektionen spielen gekonnt mit russischen Klischees und Mythen; Pelz, Glitter und Verzierungen dominieren, aber auch geometrische Schnitte, die in ihrer Strenge an die Konstruktivisten erinnern. Seine Shows haben oft starke Frauen der russischen Geschichte zum Thema wie Anna Karenina, Anastacia oder Lolita. Es ist ein sehr femininer Glamour, den er propagiert: extravagant, ostentativ und manchmal auch etwas kitschig, aber nie vulgär. „Ich möchte das Russland von Chagall und Kandinsky der Welt nahebringen, nicht das Russland, das man nur mit Kaviar und Wodka assoziiert“, sagt Chapurin.

Dieses kulturelle Sendungsbewußtsein lebt Chapurin auch noch auf anderen Bühnen aus: Für Oleg Menshikov hat er zahlreiche Theaterstücke ausgestattet; 2003 wird er als erster russicher Modemacher vom Bolschoi Theater eingeladen, Kostüme und Bühnenaustattung für Ballette zu entwerfen. Seit 2006 zeigt Igor Chapurin, der mittlerweile ein eigenes Modehaus gegründet hat, das Skimode, Möbel, Accessoires und Kindermode vertreibt, regelmäßig Pret–à-Porter-Kollektionen auf den Pariser Modewochen.

Offizielle Website: http://www.chapurin.com/

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