Maurizio Galante

In Italien wird Mode von jeher als Kunst begriffen. Bereits die Futuristen erkannten in der Mode ein Medium, das ganz im Sinne ihres berühmten Manifests operierte: Mode feiert das Neue, macht das Alte vergessen, verwischt die Grenzen zwischen Kunst und Industrie und versteht Stil als soziales wie ästhetisches Statement. In dieser Hinsicht steht der 1963 in der Provinz Latium geborene Maurizio Galante mit seinem Verständnis der Mode klar in der Tradition der Futuristen: Kleidung als individuelle Ausdrucksform, als radikaler Bruch von Mustern. Er trägt diesen Geist in das 21. Jahrhundert, bricht das traditionelle Modedenken mit neuen Ideen auf. Bei Galante führt dieser innovative Geist dann etwa zu einem Badeanzug, der sich bei verunreinigtem Wasser verfärbt und seine Träger dadurch subtil vor drohender Gefahr warnt. Wer wie Galante in einer historischen Landschaft aufwächst und an jedem Eckstein mit Spuren der Vergangenheit konfrontiert wird, geht andererseits mit einem geschärften Sinn für die Qualitäten des italienischen Kunsthandwerks und das Geschichtliche überhaupt daraus hervor  was sich später in der Opulenz und Exotik seiner antikisch-orientalisch inspirierten Kollektionen wiederfindet. Doch zunächst studiert Galante an der Accademia di Costume e Moda in Rom, bevor er ab 1985 unter seinem Label Maurizio Galante X Circolare entwirft. Die Bühne der Haute Couture betritt er acht Jahre später und wird mit 30 Jahren jüngstes permanentes Mitglied des inner circle der Modewelt. Seitdem nimmt er jedes Jahr an den offiziellen Schauen in Paris teil. Galante unterscheidet sich von den meisten seiner Kollegen durch seinen universalen Ansatz, eine Tradition, die in Italien seit der Renaissance beheimatet ist. Er gestaltet Lampen und Möbel, die regelmäßig auf dem Salone del Mobile in Mailand ausgestellt werden; seine Stühle sehen aus, als hätte man ihnen extravagante Kleider angezogen. Seine Kleider wiederum sind so kunstvoll zusammengesetzt, dass sie problemlos als Objekte einer Ausstellung durchgehen. Die Begeisterung für die Handwerkskunst, macht seine Kleider zu kostbaren Objekten, deren Fertigung bis zu 300 Stunden dauert. Galante verwendet dazu geklöppelte Spitze aus dem 18. Jahrhundert oder strickt einen kompletten Pullover aus Schwanenfedern. Sein Gesamtkunstwerk umfasst den gesamten Hallraum ästhetischer Komposition, von japanischen Schuluniformen über ein preisgekröntes Rezept bis zur Konzeption einer Ausstellung für das MoMA in New York. Der Ausnahme-Couturier zeigt seine Mode nicht nur an ungewöhnlichen Schauplätzen wie Caracas, Afrika oder Pekings Großer Halle des Volkes, er ist auch philosophischer Alchemist. Der wesentliche Aspekt seines Werkes ist, so Maurizio Galante, die Liebe zum craftsmanship: “Ich empfange all mein Gestalten, ob Haute Couture, eine Lichtquelle oder eine Vase, um Gefühle und Emotionen zu transportieren ... dabei ist die Verbindung wichtig, zwischen mir, dem Produzenten des Objekts, und der Person, die das vollendete Objekt sieht oder trägt: die in die Verwirklichung investierte Liebe zum Handwerk.“ Wer wissen will, wie diese aussieht, kann mit Galantes Firma Interware seine eigene maßgeschneiderte Mode entwickeln. Wem das zuviel Eigeninitiative ist, bleibt immer noch die Option, seine alte Jeans an Maurizio Galante zu schicken und sie zum handbestickten Unikat veredeln zu lassen. Kunstvoller war Recycling selten.

Offizielle Website: http://www.maurizio-galante.com/

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