Naoki Takizawa

Als Naoki Takisawa 2006, mit 46 Jahren, sein eigenes Designstudio in Tokio eröffnet, hat er bereits eine lange und gefeierte Karriere als rechte Hand und Designchef des japanischen Modeschöpfers Issey Miyake hinter sich. Wie sein Mentor legt Takisawa viel Wert auf innovative Stoffe und ungewöhnliche Materialien, die er zu poetischen Kreationen verarbeitet. Schon seine erste eigene Pret-à-Porter-Kollektion, die er 2007 in New York zeigt, sorgt für Euphorie in der Presse. Während andere Modefirmen mit pornografischen Anspielungen von sich Reden machen machen, schickt er ätherische Looks auf den Laufsteg, die viel Haut zeigen, ohne zu enthüllen. Seine romantische Sexyness entzieht sich jeder Art von Vulgarität und bringt so das Mysterium weiblicher Reize zurück auf die Agenda. Starke und unabhängige Frauen habe er im Kopf, so Takisawa, „Frauen, die eine einfache Hose oder eine Bluse mit ihrem Stil aufladen können“. Ganz im Sinne seines ehemaligen Mentors Miyake, der betont, dass er nur für 80 Prozent der Wirkung seiner Looks verantwortlich sei, die restlichen 20 bleiben der Trägerin überlassen.
Naoki Takisawa wird 1960 in Tokio geboren. Ein Jahr nach seinem Abschluss an der Kuwasawa Design School 1981 erhält er seinen ersten Job bei Issey Miyake. Zunächst ist er für die Männerlinie Plantation zuständig, ab 1989 arbeitet er zusätzlich für die Damenlinie. 2000 wird er Chefdesigner für das gesamte Pret-à-Porter, zu einem Zeitpunkt als sich der Gründer mehr und mehr aus dem Tagesgeschäft zurückzieht. Issey Miyakes Mode, er selbst spricht lieber von „Kleidung“, verbindet die Tiefe japanischer Tradition mit der Verspieltheit französischer Schneiderkunst. Miyake studierte Mode im Paris der Swinging Sixties, lernte bei Guy Laroche und Hubert de Givenchy und kehrte dann, als in Paris die Barrikaden brannten, wieder zurück nach Japan. Seine Innovationslust macht vor nichts Halt: Er experimentiert mit Stoffen, seien sie aus technoidem Kunststoff oder mittelalterlichem Bauernleinen, schichtet Plissees und Drapierungen zu vollkommen neuen Silhouetten und erneuert das Ritual der Modenschau durch Tanz und performative Elemente. Sein Schüler Takisawa führt diese Tradition fort. Für Miyake schuf Takisawa Kleider, die aus einem Stück geschnitten und verschweißt, anstatt vernäht wurden; zusammen mit Alain Mikli kreierte er Hightech-Brillen, die wie Libellenflügel schimmern, und ließ seine Models in irisierenden Seidengewändern über den Laufsteg schweben.
Dabei ist Naoki Takisawas hohe Schneiderkunst nie Selbstzweck, sondern von einem tiefen Glauben an Alltagstauglichkeit und Tragbarkeit geprägt. So entwirft er neben Mode auch Uniformen für Krankenhäuser oder stattet Restaurants mit Arbeitsbekleidung aus.

Offizielle Website: http://www.naokitakizawa.com/

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