Pascal Millet

Als Pascal Millet 2001 künstlerischer Leiter von Carven wird, übernimmt er ein Haus, das zu den Pionieren der französischen Haute Couture zählt. 1945 in Paris von Carmen de Tomasso gegründet, markiert Carvens jugendlicher Chic den Aufbruch in die unbeschwerten Wirtschaftswunderjahre. Auch heute noch ist Carven eine Marke mit Weltruf, die Mode, Accessoires, Düfte und Möbel vertreibt und mit ihrer Haute Couture Linie eine kleinen, aber treuen internationalen Kundenkreis begeistert.

Carmen de Tommaso wird 1909 im westfranzösischen Châtellerault geboren. Sie studiert Architektur und Raumgestaltung an der Pariser École des Beaux-Arts; zur Mode kommt sie, so die Legende, aus eigennützigen Gründen: Mit ihrer zierlichen Gestalt und ihren 1,55 Meter Größe fand sie kaum elegante Kleidung in den Boutiquen. Dieser Mangel wird zur Geschäftsidee. Ihre frischen und schmal geschnittenen Kreationen verlängern die Figur und stellen eine alltagstaugliche Alternative zu Christian Diors New Look dar, der in verschwenderischen Roben den damenhaften Luxus der Vorkriegsjahre wiederbelebt. Madame Carvens Meisterstück ist das Ma Griffe, ein grünweiß-gestreiftes Sommerkleid, das ein weltweiter Erfolg wird. Schon bald kleidet sie nicht nur die Pariser Salondamen ein, sondern auch Edith Piaf und die ägyptische Prinzessin. Sie ist eine der ersten, die ihre Kollektionen in anderen Ländern vorstellt. Und diese Reisen nach Brasilien, Portugal, Ägypten oder in den Iran spiegeln sich auch bald in ihrer Mode wieder; in folkloristischen Designs, in Batikmustern oder orientalischen Stoffen. Große Erfolge feiert sie in Japan, wo ihr koketter Stil von den zierlichen Japanerinnen dankbar aufgenommen wird. Bald nennt man die Kosmopolitin „die kleinste unter den großen Couturiers“.

In den 1960er und 1970er Jahren baut Carven systematisch das Lizenzgeschäft aus, führt u.a. eine Männer- und eine Schmucklinie ein und entwairft Stewardess-Kostüme für Air France. Anfang der 1990er Jahre zieht sich Carmen de Tommaso aus dem Geschäft zurück. Wechselnde Designer übernehmen das Ruder der Haute Couture Linie. Einmal noch steht Madame Carven im Rampenlicht, als sie mit 89 Jahren nach Bangkok reist, um sich mit einem Retrospektiv-Defilee für ihr Lebenswerk feiern zu lassen. 1998 wird das Haus an die Daniel Harlant Group verkauft, die Pascal Millet zum künstlerischen Leiter ernennt und damit betraut, die Marke zu verjüngen und wieder aufzubauen.

Millet studiert an den Écoles de la Chambre Syndicale de la Haute Couture, arbeitet danach für Balenciaga und Givenchy. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten (Harlant verkauft die Marke 2005 an den japanischen Lederwarenkonzern Arco) gelingt es Millet, das traditionsreiche Haus auch stilistisch ins neue Jahrtausend zu führen: Ob opulente Pelzjacken, Kaschmirmäntel oder reich verzierte Kleider – seine Haute Couture Kollektionen, die von Luxus, Detailliebe und überbordenden Ideen zeugen, verbinden ein neues Selbstbewußtsein mit dem nötigen Maß Referenz an die Gründerin. Sie selbst sitzt bei jedem Defilee applaudierend in der ersten Reihe.

Offizielle Website: http://www.carven.fr/

also interesting