Ralph Rucci

„In der Mode geht es immer um Exzentrizität – gerade jetzt, in unserer gleichförmigen Kultur, ist sie von größter Bedeutung,“ sagt Ralph Rucci. Und exzentrisch ist die Mode des Amerikaners im besten Sinne: verschwenderisch und streng zugleich, dabei weder laut noch kapriziös. Sie ist eine Ode ans Handwerk und an die Grazie des weiblichen Körpers. Ruccis Stil gehorcht eigenen Gesetzen und schafft seine Aktualität jenseits des modischen Tagesgeschäft: „Jede meiner Kollektionen erwächst aus der davor.“ Inspiration zieht er dabei aus einem ästhetischen Privatuniversum, einem Mix aus fernöstlicher Askese, moderner Kunst und Ethno-Folklore. Zu seinen Säulenheiligen zählen Cy Twombly, Francis Bacon, Cristobal Balenciaga und Buddha. Sein Markenzeichen sind schillernde Prints, die er vorher mit dem Aquarellmalkasten entwirft, mäandernde Frankensteinnähte und ein untrüglicher Sinn für Volumen und Struktur. Vor allem aber: ein nahezu obsessives Interesse an Materialien. „Ich liebe ungewöhnliches Material wie steifes Pferdehaar und papierenen Taft, Stoffe, die sprechen. Baumwollpiqué und reichtexturierten Chiffon, Atlasseide und schweren Duchesse-Satin,“ so Rucci. Am Ende entstehen daraus ebenso prächtige wie tragbare Kleider, die trotz ihrer architektonischen Präzision schwebend leicht wirken. Gemacht sind sie für Damen mit Geschmack und Hang zum Understatement, denn Ruccis Idee von Luxus definiert sich nicht über Opulenz, sondern über Originalität, kostbare Stoffe und aufwändige Verarbeitung.

Ralph Rucci wird 1957 in Philadelphia geboren. Er studiert zunächst Philosophie und Literatur bevor er Ende der 1970er Jahre zum Fashion Institute of Technology in New York wechselt. Nach dem Abschluß gründet er 1981 sein Label. Für die erste Kollektion leiht er sich 10.000 Dollar von einer Tante und feilt monatelang an Drapierungen und Schnitten – auf Knieschonern für Eishockeyspieler. Schnell erschließt er sich einen erlesenen Kundenkreis, für den er fortan auf Bestellung arbeitet. 1994 benennt er sein Haus in Chado Ralph Rucci um, eine Referenz an die japanische Teezeremonie und ihre Werte wie Harmonie, Reinheit und Respekt, die Rucci auch für seine Mode reklamiert. Der späte internationale Durchbruch gelingt ihm 2002 als ihn die Chambre Syndicale de la Couture Française einlädt, seine Kollektionen fortan bei den Pariser Haute Couture Schauen zu zeigen. Eine Ehre, die vor ihm nur dem amerikanischen Couturier Mainbocher zuteil wurde. Seitdem begeistert er mit seinen Defilees eine stetig wachsende Klientel. Reich verzierte Ballkleider aus Seidensatin, fließende Pelz-Tops, Jogginganzüge mit Alligatorleder-Applikationen – Rucci findet immer neue Wege, vertraute Formen zu interpretieren. Großes Augenmerk legt er dabei auf Verarbeitung und Oberflächen. Er schichtet Patchworks, flicht Leder, und zeichnet Muster aus Ziernähten. Auch Perlen, Edelsteine und Pailletten gehören zu seinen Stilmitteln. Ruccis Arbeit wurde in mehreren Retrospektiven gewürdigt, u.a. im Costume Institute of the Kent State University Museum (2005-2006), im Fashion Institute of Technology (2007) und im Phoenix Art Museum (2008).

Offizielle Website: http://chadoralphrucci.com

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