Viktor & Rolf

Viktor und Rolf sind keine Zwillinge, auch wenn sie sich einen großen Spaß daraus machen, so aufzutreten – gleicher Anzug, gleiche Brille, gleiche Frisur. Sie sind und waren auch nie ein Paar wie Dolce & Gabbana, verkünden aber bei jeder Gelegenheit wie nahe sie sich stehen. Sie sind für die Mode das, was Gilbert & George für die Bildende Kunst sind: zwei Selbstdarsteller, die sich perfekt ergänzen und deren Selbstinszenierung immer Teil ihres Werks ist. Ihr Motto: Eins plus eins ist drei.

Viktor Horsting und Rolf Snoeren, beide Jahrgang 1969, lernen sich an der Kunstakademie in Arnheim kennen, wo sie beide Mode studieren. Nach ihrem Abschluss tun sie sich zusammen und sammeln erste praktische Erfahrung bei Martin Margiela in Paris. Aufmerksamkeit erregen sie mit ihrer ersten Kollektion, für die sie gleich drei erste Preise beim renommierten Modefestival in Hyéres gewinnen. Doch noch ist die Zeit nicht reif für den konzeptuellen und kritischen Geist des Duos, die ihre aufwändigen Entwürfe und Installationen fast ausschließlich im Kunstkontext präsentieren. Dabei beweisen sie stets einen feinen Sinn für Humor: Mal legen sie symbolisch ihre Arbeit nieder (Viktor & Rolf On Strike, 1996), um gegen die Ignoranz des Marktes zu protestieren, mal werfen sie ein Parfüm auf den Markt, dessen Flakon sich nicht öffnen lässt – als ironischer Kommentar zum Markenwahn der Lifestyleindustrie.

Der Durchbruch kommt, als sie 1998 in die Pariser Haute Couture aufgenommen werden. Kühn sind ihre Entwürfe, die mit Faltenwurf, mit überbordenden Drapierungen und assymetrischen Schnitten, mit Volumen und Silhouette spielen. Kühner noch sind ihre Inszenierungen: schwarzweiße Kreationen, deren weiße Details grell im Schwarzlicht aufscheinen; clowneske Kostüme mit bunten Ballonkrägen, eine surreale Wiederkehr der Commedia-Figur des Pierrot; einmal fluten sie das ganze Defilee mit Trockeneis-Nebel, bis nur noch die Glöckchen zu hören sind, die zu Hunderten die Gewänder zieren. Gerne legen sie auch selbst Hand an: 2000 ziehen sie einem Model, das wie Twiggy aussah, die gesamte Kollektion Stück für Stück übereinander an. Was mit einem Unterkleid aus Jute begann, wuchs so Schicht für Schicht zu einer riesigen Babuschka aus Stoff, bis am Ende ein kleiner Kopf aus einer mächtigen Gewänderskulptur ragte. Für Viktor & Rolf ist Mode mehr als eine saisonale Werkschau neuester Trends, sie ist Spektakel und Performance. Sie ist Kunst.

Und so verwundert es nicht, dass die Mode von Viktor & Rolf immer wieder in internationalen Ausstellungen gewürdigt wird, deren Zahl inzwischen die ihrer Schauen bei weitem übertrifft. Dass sie mit ihren Ideen auch die Massen bewegen können, zeigt ihr erfolgreicher Einstieg in die Welt der Pret-à-Porter-Mode ab 2000. Inzwischen ist Viktor & Rolf, dank finanzieller Rückendeckung von Diesel-Chef Renzo Rosso, ein international anerkanntes Lifestyle-Label mit Sitz in Amsterdam, das auch Herrenmode, Parfüms und Accessoires vertreibt. 2008 feiert das Duo sein 15-Jähriges Bestehen mit einer großen Werkschau in der Londoner Barbican Art Gallery.

Offizielle Website: http://www.viktor-rolf.com/

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