• Künstler Wim Delvoye

  • Bustelli Twisted

    Limited Edition, handbemalt, 2010

Wim Delvoye

Mit subversiver Ironie stellt Wim Delvoye in seinen Arbeiten die standardisierten Wertvorstellungen einer konsumorientierten Gesellschaft in Frage.

Das Werk des 1965 in Belgien geborenen Künstlers Wim Delvoye wirkt durch seine ästhetischen Widersprüche häufig provokant. Mit subversiver Ironie stellt er in seinen Arbeiten die standardisierten Wertvorstellungen einer konsumorientierten Gesellschaft in Frage.

Zugleich ist sein Œuvre besonders vielfältig; Körper und Maschinen sind bevorzugte Sujets vieler seiner Skulpturen und Installationen. Delvoye spielt mit dem Konzept von Schönheit; er kontrastiert barocke Dekorationen und Ornamente mit dem Abscheulichen und Absurden. So soll unsere Wahrnehmung irritiert werden. „Wim Delvoyes Stärke liegt in seiner Fähigkeit, Konflikte zu schaffen, indem er die Bildende Kunst mit der Volkskunst verbindet und Ernsthaftigkeit auf Ironie treffen lässt“, so Jan Hoet, Kurator der Documenta XI.

Zu Delvoyes bekanntesten Projekten gehören „Cloaca“, „Art Farm“ sowie seine „Gothic Works“.
Am vielleicht bekanntesten ist seine Verdauungsmaschine, die „Cloaca“, bei der Themen, die von Installationsarbeiten bis hin zu Gastroenterologie reichen, miteinander kombiniert und künstlerisch aufbereitet werden. „Cloaca“, eine große Installation, die Nahrungsmittel in Fäkalien umwandelt und Delvoye so die Erforschung des Verdauungsprozesses erlaubt, kommentiert die Schwäche der Belgier für feine Speisen. Nach seiner Inspiration gefragt, antwortet Delvoye, dass alles im modernen Leben nutzlos sei. Und das nutzloseste Objekt, das er noch erschaffen konnte, sei eine Maschine, die überhaupt keinen Zweck erfüllt, außer der Umwandlung von Nahrung in Abfall.

Im Jahr 1997 begann Delvoye mit seinem Projekt „Art Farm“ und mit dem Tätowieren lebender Schweine. Delvoye ist fasziniert von der Vorstellung, dass „der Wert des Schweins buchstäblich steigt“, sowohl in physischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Schweine wurden mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Designs versehen, einschließlich Schädeln und Kreuzen, aber auch Louis Vuitton-Logos sowie Entwürfen, die von der Anatomie des Schweins diktiert werden. 2010 tätowierte er den Regisseur Ben Lewis mit dem Motiv einer gekreuzigten Mickey Mouse und fügte dabei seine Signatur hinzu, die das Disney-Logo nachahmt.

Zudem ist Delvoye für seine Arbeiten im „gotischen“ Stil bekannt. Im Jahr 2001 bat er einige seiner Freunde, sich unter Aufsicht eines Radiologen mit kleinen Bariummengen einzureiben und anschließend in medizinischen Röntgenräumen explizite sexuelle Handlungen auszuführen. Die Röntgenaufnahmen verwendete er dann als Ersatz für klassisches Buntglas in gotischen Kirchenfenstern.

Zu Delvoyes „Gothic Works“ zählen auch einige überdimensionale lasergeschnittene Stahlskulpturen. Der Künstler schafft Objekte, die in der Regel im Baugewerbe zu finden sind, von Delvoye jedoch im flämischen Barockstil des 17. Jahrhunderts gestaltet werden. Betonmischer oder Raketen tragen Ornamente und Details der gotischen Architektur. So stellt Delvoye die gewaltige, brutale Kraft von Maschinen der Gegenwart der filigranen Handwerkskunst gegenüber, die mit gotischer Architektur in Verbindung gebracht wird.

Wim Delvoye (geboren 1965) lebt und arbeitet in Belgien.

Auswahl bisheriger Ausstellungen: Castello di Rivoli, Turin (1991), Documenta X (1992), Gallery Sonnabend, New York (1998), Reina Sofía, Madrid (2000), Centre Pompidou, Paris (2000), Migros Museum, Zürich (2001), New Museum, New York (2002), The Barbican, London (2002), Palais de Tokyo, Paris (2003), PS1- Contemporary Arts Center, New York (2006), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2007), Chanel Arts Mobile, Shanghai (2008), CCA Wattis, San Francisco (2008), Biennale Venedig (2009), Biennale Moskau (2009), Musée Rodin, Paris (2010), Knockin‘ on heaven‘s door, Bozar, Brüssel (2011).

Offizielle Website: http://www.wimdelvoye.be/

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