• Porzellanfigur der "The Fairytale Recordings" Performance

  • Herstellungsprozess in der Porzellan Manufaktur Nymphenburg

  • Acht Figuren aus Porzellan, glasiert, bemalt

  • Negativform aus Gips

  • Bemalung in den Meisterwerkstätten der Manufaktur

  • The Fairytale Recordings, Performance

    Schinkel Pavillon Berlin, 2011

  • The Fairytale Recordings, Performance

    Schinkel Pavillon Berlin, 2011

  • The Fairytale Recordings, Performance

    Schinkel Pavillon Berlin, 2011

  • The Fairytale Recordings, Performance

    Schinkel Pavillon Berlin, 2011

Saâdane Afif

The Fairytale Recordings, Performance (2011) Schinkel Pavillon, Berlin

Performance mit acht Vasen aus Porzellan, glasiert, bemalt

Nr.1 GHOST, 2005 WORDS BY TOM MORTON
Nr.2 EVERYDAY, 2004 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.3 BLACK SPIRIT, 2004 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.4 POWER CHORDS, 2005 WORDS BY MICK PETER
Nr.5 VICE DE FORME (A DUEL OF WARRIORS), 2009 WORDS BY INA BLOM
Nr.6 BRUME, 2003 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.7 BLACK HOLE, 2005 WORDS BY TOM MORTON
Nr.8 L´HUMOUR NOIR (SONG FOR SAÂD), 2010 WORDS BY TACITA DEAN

In Saâdane Afifs Performance im Berliner Schinkel Pavillon (2011) wurden zeitlich prozesshafte, wiederholende Themen und Motive im Werk des Künstlers wie Songlyrics oder wiederkehrende Akteure und Co-Autoren präsentiert – durch Performances und Arbeiten aus Nymphenburg Porzellan – Plastiken, die den gesamten kreativen Prozess in sich aufnehmen.

Das Projekt “The Fairytale Recordings“ von Saâdane Afif bezieht sich auf frühere Werke des Künstlers,
zu denen die Autoren und Künstler Tom Morton, Lili Reynaud-Dewar, Mick Peter, Ina Blom und Tacita Dean Liedtexte entwickelt haben, die das Wesen der Werke widerspiegeln. Die poetisch klingenden Titel wie Ghost, Black Hole und Vice De Forme (A Duel of Warriors) scheinen dunklen Zauber zu beschwören und suggerieren eine mystische Atmosphäre.

Von den Texten ausgehend, hat Afif mit der Opernsängerin und Schauspielerin Katharina Schrade eine Performance erarbeitet, in der alle Texte teils nachgesprochen und zum Teil in eine Inszenierung umgewandelt wurden. So entsteht eine Übertragung, eine Verarbeitung des Textes, der am Ende in eine speziell angefertigte Vase gesprochen wird. Durch das Versiegeln der Vase behält diese die Verse für alle Ewigkeit in ihrem Inneren.

Nach Afifs Entwürfen wurden die acht ausgestellten Vasen in den Werkstätten der Porzellan Manufaktur Nymphenburg in reiner Handarbeit gefertigt. Jedes Objekt trägt eine andere Figurine auf ihrem Aufsatz, die die Schauspielerin in der Körperhaltung darstellt, in der sie ihre Performance beginnt. Außerdem geben eine Referenznummer, der Titel des Liedes und das Datum die jeweiligen Informationen zu der Aufnahme selbst wieder. Für Saâdane Afif spielen alle am Entstehungsprozess Beteiligten eine wichtige Rolle – die Autoren, die Schauspielerin, ihre Kostümbildner und die Porzellan Manufaktur Nymphenburg. Afif sucht diese Co-Autoren sorgfältig aus, um das Werk dank ihres speziellen Wissens und ihrem Savoir-faire mit Leben zu füllen.

Die Idee für diese Arbeit führt zurück zu (historischen) Vorstellungen von Tonaufnahmen, zu Gedanken wie man diese in der Literatur vor der Aufklärung findet – beispielsweise bei François Rabelais, der sich die Möglichkeit ausmalte, das gesprochene Wort könnte eingefroren werden –, oder auch zur animistischen Vorstellung, dass nicht-menschliche Daseinsformen geistige Lebenskräfte verkörpern können. Zusätzlich zu den Performances hat Afif gemeinsam mit den Grafikdesignern deValence Poster in limitierter Auflage entwickelt. Sie listen alle Elemente auf, die zur Ausstellung geführt haben und benennen alle am Werk Beteiligten, sind also eine visuelle Stellungnahme zur Ausstellung. Die grafische Präsentation der Namen zieht sich als Motiv durch Afifs Arbeiten und ist ein wichtiger Aspekt all seiner Ausstellungen.

Durch die Verwandlung von Kunst in Literatur, Musik, Alben, Performances, künstlerische Objekte und Poster macht Afif den mitwirkenden Apparat sichtbar, der der Entstehung eines Werks zugrunde liegt – vor allem in Anlehnung an die Produktionsprozesse in der Musikindustrie. Afifs künstlerische Arbeiten bringen immer neue Kunstwerke hervor, eine Ausstellung führt zur nächsten, und diese beziehen sich aufeinander und sind miteinander verknüpft. An erster Stelle in dieser scheinbar so logischen Entwicklung der Arbeiten steht in Afifs Kunst aber der Aspekt der Verwandlung, der es unterschiedlichen Einflüssen erlaubt, von außen auf die Entstehung einzuwirken, die aber immer das schwer fassbare und unübersetzbare Wesen des Kunstwerks suchen.

Saâdane Afifs konzeptuelles Arbeiten ist interdisziplinär angelegt und verbindet bildende Kunst mit Text, Musik und Bewegung. Afif verwandelt in Kollaborationen mit anderen Künstlern eine Kunstform in eine andere. Indem Afif Schriftsteller einlädt, zu Werken bildender Kunst zu schreiben, dann wiederum Musiker und Schauspieler auf die so entstandenen Texte reagieren lässt, überträgt er das Visuelle auf andere Sinne. So projiziert er die grundlegende Essenz eines Werks in die Interpretationen verschiedener Akteure und lässt diese verstärkt in Erscheinung treten.

Saâdane Afif wurde 1970 in Vendôme in Frankreich geboren. Für seine Ausstelluung ANTHOLOGIE DE L’HUMOUR NOIR (2010) bekam er den Prix Marcel Duchamp. Zu seinen zahlreichen Einzelausstellungen gehören A lecture, A Recording & A Few Witnesses, OPA, Guadalajara, México (2010); Variétés, Galerie Mehdi Chouakri, Berlin (2009); Feedback, EACC Espai d’Art Contemporani de Castello, Valencia (2009); Technical Specifications, Witte de With, Rotterdam (2008); and Lyrics, im Palais de Tokyo, Paris (2005). Er lebt und arbeitet in Berlin.

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