• CULA

    Tee Set Edition 20 + 3 AP, 2010

  • Cula, Performance

    Kunstverein München, 2011

  • Cula, Performance

    Kunstverein München, 2011

  • Cula, Performance

    Kunstverein München, 2011

Olaf Nicolai

Cula Performance, Münchner Kunstverein (2011)

Olaf Nicolais Performance Cula im Münchner Kunstverein 2011 beruht auf dem Erleben eines interaktiven Rituals der Begegnung: einer Teezeremonie basierend auf einem imaginären Script.

Olaf Nicolai entwickelte dafür in Zusammenarbeit mit der Porzellan Manufaktur Nymphenburg eine limitierte Edition, zu der ein Service mit Tablett, Teekanne und Teeschale aus schwarzem Biskuit-Porzellan gehört. Ein von einem Autorenkollektiv geschriebenes Buch sowie ein eigens entworfenes Servier-Tuch ergänzen das Porzellan.

Neben dem ästhetischen Anspruch hat Olaf Nicolai der Arbeit Cula einen interaktiven Charakter mitgegeben: das der Edition zugehörige Buch über die Korallengärten beschreibt im Textfluss genau das Szenario, in dem sich der Leser teetrinkend befindet. Nicolai reflektiert die Teezeremonie und damit die Riten des Teetrinkens selbst. Der Leser wird Teil der Aktion. Bei der Performance im Kunstverein München konnten je zwei Personen an einem langen Tisch mit Kassettenrecordern und zwei Kopfhörern vor einem Cula-Set Platz nehmen. Anhand der Buchvorlage versetzten sie sich in den Moment einer Teezeremonie hinein und fanden sich in genau dem beschriebenen Gefühl wieder.

Durch das Verbinden von Erinnerung, anthropologischer Forschung und Fiktion schafft Nicolais Instruktion auf diese Weise einen realen Gegenwartsmoment, in dem die teilnehmenden Besucher beim Hören der Audiotapes durch ihre eigene Wahrnehmung in einem Experiment aufgefordert werden, einem imaginären Ritual beizuwohnen. Der Künstler ruft die Besucher somit auf, sich durch das Vorstellen eines Bildes in eine imaginär-fiktive Begegnung hineinzuversetzen, die als konkrete Erfahrung erlebt werden kann.

Das Kunstwerk Cula, mit dem Nicolai die wirtschaftlichen Aspekte von Zeit und Handel thematisiert, ist mit der ethnografischen Forschungsarbeit des Anthropologen Bronislaw Malinowski verknüpft: Während der 1920er Jahre untersuchte der Wissenschaftler auf den Trobriand-Inseln im westlichen Pazifik die gesellschaftlichen Rituale bei Handel und Tauschgeschäften. Im Speziellen bezieht sich die Arbeit auf die spätere Veröffentlichung von Malinowskis „Korallengärten und ihre Magie“ – eine anthropologische Studie zu Wirtschaft, Handel und Tauschgeschäften, magischen Ritualen und Expeditionen des dort ansässigen Kula-Stammes.

Die Oberfläche des Teeservices erinnert an die strukturierten Muster von Korallen und nimmt gleichzeitig Bezug auf die nichtlinearen Wachstumsmodelle der Mathematik. Tatsächlich wurde der Entwurf der Teekanne mit einem medizinischen Softwareprogramm entwickelt, mit dem sich komplexe und asymmetrische Wachstumsprozesse simulieren lassen.

Cula ist die erste Arbeit des Berliner Künstlers Olaf Nicolai für die Porzellan Manufaktur Nymphenburg und seine erste Arbeit in Porzellan überhaupt.

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