Dieter Zeus

Herr Dieter Zeus, verantwortlich für die Porzellanmasse bei der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, spricht über seine Arbeit.

Zeus' Erscheinung, ein großer, muskulöser Facharbeiter, erinnert an seinen olympischen Namen. Stark genug, um die harte physische Arbeit zu bewältigen, und fähig, die perfekte Zusammensetzung der Porzellanmasse anhand einer Berührung der Masse festzustellen, kennt er den Prozess der Porzellanherstellung im gleichen Maße, wie er leidenschaftlich Teil dieses Prozesses ist.

Wie lange arbeiten Sie schon für die Nymphenburg?

Zeus: Ich arbeite hier seit dem 1. September 1979, also seit 34 Jahren. Mein Bruder, der bereits in Nymphenburg arbeitete, sagte mir damals, dass eine Stelle frei werde. Ich habe mich auf den Job beworben, wurde angenommen und bin hier in der Massemühle gelandet.

Was muss man für diesen Job mitbringen?

Man sollte für diesen Job eine kreative Ader besitzen. Natürlich gibt es ein Mischrezept für die Porzellanmasse, man muss aber immer noch Entscheidungen treffen. Man arbeitet auf Basis der Erfahrung, manchmal ist es aber auch reiner Instinkt. Wir haben eine bestimmte Rezeptur. Die kann ich natürlich nicht verraten, sie ist ein streng gehütetes Geheimnis der Manufaktur.

Und was passiert mit der Masse?

Wir lagern sie für mindestens zwei Jahre in unserem Lagerkeller. Dort lagern etwa 30 – 40 Tonnen Masse, was bedeutet, dass wir für die nächsten drei Jahre bereits genug vorproduziert haben. Das ist ein beruhigendes Gefühl. Selbst wenn ich krank werden sollte wäre die Produktion nie gefährdet und wir könnten für mehrere Jahre ohne Probleme weitermachen.

Ist die Grundmasse immer die gleiche, egal, wofür sie eingesetzt wird?

Es ist immer die gleiche Masse. Jedoch variiert die Lagerzeit. Für größere Objekte ist die Masse besser geeignet, wenn sie fünf Jahre lang gelagert wurde. Sie ist dann noch feiner.

Inspiriert Sie Ihre historische Arbeitsumgebung? Das ist ja kein gewöhnlicher Arbeitsplatz.

Klar. Die Art, wie wir Dinge tun, ist einzigartig. Es gibt keinen vergleichbaren Ort. Die alten Maschinen alleine sind schon faszinierend. Sie müssen ständig überprüft und gewartet werden. Die Mühlen werden über Räder angetrieben, die gepflegt werden müssen, damit sie immer arbeitsbereit sind.

Wie beginnt ein normaler Arbeitstag?

Mein Arbeitstag beginnt zwischen vier und sechs Uhr. Ich muss das Material an die verschiedenen Abteilungen verteilen, damit sie mit ihrer Arbeit beginnen können, wenn sie um sieben Uhr ankommen.

Wie können Sie erkennen, dass die Masse für die Produktion richtig ist?

Indem ich die Masse berühre. Ich fühle wie weich sie ist, wie homogen sie sich anfühlt. Dabei geht es einfach um Erfahrung. Wirklich - ich kann es nicht erklären, es ist einfach intuitiv. Man wächst hinein, es dauert jedoch Jahre.

Was war Ihre größte Erfahrung / Ihr größtes Erlebnis in den Jahren, die Sie hier schon gearbeitet haben?

Ich kann Ihnen nichts Besonderes nennen. Wir haben viele hohe Besuche gehabt, (die Frau des ehemaligen Kanzlers) Hannelore Kohl war einmal hier, der König von Thailand und andere. Ich kann jedoch keinen einzelnen Besuch nennen. Es muss nicht unbedingt eine Berühmtheit sein. Jeder ist willkommen und natürlich ist es immer etwas Besonderes. Es ist immer aufregend. Man steht an der Maschine und versucht zu arbeiten und die Besucher gucken zu. Das ist schon toll und etwas, das man nur hier erleben kann.

So früh aufzustehen und eine so lange Fahrt zur Arbeit zu haben erfordert mehr als nur Enthusiasmus für die Arbeit. Ist es vielleicht Leidenschaft?

Mein Herz und meine Seele sind hier, sonst würde ich es nicht machen. Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, etwas anderes zu arbeiten. Ich hoffe, ich kann diese Arbeit noch eine Weile tun, vor allem physisch. Aber im Moment sorge ich mich nicht, da ich "pumperlgesund" bin (ein bayrischer Ausdruck, der grob übersetzt "kerngesund" bedeutet).