Clara

Seit dem 18. Jahrhundert Inspiration für Künstler, Musiker, Dichter: Panzerrhinozeros Clara bleibt Gesprächsthema und Mittelpunkt jeder Gesellschaft

Clara ist ein Eisbrecher, ein typisches Conversational Piece. So nannte man schon in früheren Zeiten Tafeldekoration mit Objekten, über die Tischgäste miteinander ins Gespräch kommen und die die feine Kunst der Unterhaltung inspirieren.

Bereits im 18. Jahrhundert war Clara, das lebendige Original, vielbesungene Muse, ein Rockstar, der durch ganz Europa tourte. Als sie 1741 mit einem holländischen Kapitän aus Bengalen in Rotterdam landete, war die Sensation perfekt. Ihre Haut wurde ständig mit Fischöl eingerieben, um sie feucht zu halten. Sie posierte für Bildhauer, war Inspirationsquelle für Dichter und Musiker. Die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Polen, Frankreich, Italien, Böhmen, Dänemark – kein Land, das sie ausgelassen hätte. In Königshäuser, auf Jahrmärkten und sogar beim Karneval in Venedig wurde sie als Attraktion gefeiert.

Auch für den aus Gent stammenden Bildhauer Peter Anton von Verschaffelt war Clara eine beeindruckende Kuriosität. Wo genau der Hofbildhauer auf Clara traf, ist nicht überliefert, denn auch von Verschaffelt war von London bis Rom ein gefragter Künstler. Er restaurierte Kirchen, verzierte Gärten und Schlösser, baute Bibliotheken. Über zehn Jahre nach Claras Tod, die 1758 in London starb, schuf von Verschaffelt eine verkleinerte Skulptur des Rhinozeros. Auf Grundlage seiner Entwürfe wird Clara in den Meisterwerkstätten von Nymphenburg auch heute weiterhin originalgetreu nachgebildet. Ob in Biskuitporzellan oder glasiert – aus weißem Gold in reiner Handarbeit gefertigt, bleibt Clara eine prägende Figur europäischer Kultur und Wissenschaft und ist über die Maßen beliebt. Table Talk – man redet über sie!