Down to Earth

Die amerikanische Künstlerin Michele Oka Doner hat für Nymphenburg einen Zyklus von Arbeiten aus Porzellan und Terrakotta geschaffen, der in der alten Ofenhalle der Manufaktur einen kongenialen Platz gefunden hat. Die Installation unter dem Titel “Down to Earth” verwandelt die historischen Öfen, deren alchemistische Vergangenheit in sichtbaren Überresten den Ziegelsteinen eingebrannt ist, in magische Orte – fünf schlichte Kammern, umfriedet mit dicken Wänden, werden zu bewohnten Räumen, zu Behausungen von Göttinnen und „Seelenfängern“: Traumwelten, die Zeiten und Kulturen umfassen. Der Betrachter darf sich hineinbegeben und – in aller Ruhe – Teil sein.

Die fünf Kammern auf drei Ebenen, in ein Spiel von Licht und Dunkel getaucht, erzählen Geschichten. Unten, Parterre, in der ersten Kammer, finden sich hunderte kleiner Skulpturen aus Pozellan, ihre anthropomorphen Formen sind Gesichtern ähnlich: die „Soul Catcher“. In der Kammer daneben wie in einem kosmischen Kreis Figuren aus Terrakotta und Porzellan: zwei große, aufrecht stehend („Distraught Goddess“ & „Priestess“), und kleine, eingesunken in die Erde bis zum Knie („Ancient Man“) - aufsteigend aus der „unteren Welt“ oder hinabsteigend, eine andere halbverborgen in der Nische („Early Man“): das sind Michele Oka Doners Götter. Im Zwischengeschoß finden sie sich in zwei weiteren Kuben („Ancestors“) neben einem Busch mit brennenden Kerzen („Burning Bushes“). Oben dann wie in einem kleinen Tempel eine Schale mit Wasser und goldene Gefäße wie für rituelle Verwandlungen.

Ein Geheimnis umgibt jene Arbeiten. „Seismogramm mnemischer Wellen“ hat Hartmut Böhme sie genannt in Anlehnung an Aby Warburgs Studien zu Bildmacht und Magie. In der Tat wecken sie Erinnerungen an unser Wissen von einer mythischen Zeit. Sie knüpfen an Vorstellungen von Unsterblichkeit und Seelenwanderung an und an jüdisch-christliche Bilder einer Kommunikation zwischen den Menschen und dem Himmlischen. Sie assoziieren vergangene Lebenswelten, in denen es noch ein Ganzes gab, das Profane und das Heilige (Mircea Eliade).

In Nymphenburg werden in reiner Handarbeit Kunstwerke als singuläre Objekte oder streng limitierte Editionen nach Entwürfen von zeitgenössischen Künstlern gefertigt, die weltweit zu den anerkanntesten Kunstschaffenden zählen. Namhafte Bildende Künstler wie Carsten Höller, Olaf Nicolai und Wim Delvoye beschäftigen sich intensiv mit dem historischen und kulturellen Kontext von Nymphenburg und zeigen, wie herausragende künstlerische Visionen in Porzellan von höchster Qualität ihren Ausdruck finden.

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