Myth and Legend

Damien Hirst, 2016

Myth
2016, Limitierte Edition 20 + 5AP
Porzellan weiß, biskuit und elfenbein bemalt
Größe 46 x 11 x 33 cm

Legend
2016, Limitierte Edition 20 + 5AP
Porzellan weiß, biskuit und elfenbein bemalt
Größe 45 x 18 x 59 cm

Die Faszination für Leben, Tod und Wissenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Damien Hirst. So auch bei „Myth and Legend“, der neuesten Edition von Damien Hirst, die in den Meisterwerkstätten der Porzellan Manufaktur Nymphenburg komplett von Hand gefertigt wurde.

„Myth“, ein Einhorn mit enthäuteten Beinen und „Legend“, ein geflügeltes Pferd, das wie bei einem chirurgischen Eingriff Muskeln und Knochen offenbart: Hinter beiden Figuren steckt, wie Hirst selbst sagt, seine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Themen Wissenschaft und Religion: „Wissenschaft entzaubert die Mythologie. Ein mythologisches Wesen zu sezieren und zu zeigen, dass es sich in nichts von einem sterblichen Pferd unterscheidet, ist trotzdem irgendwie magisch. Es ist so, als müsste man den Mythos zerstören, um ihn real werden zu lassen.“

Über zwei Jahre dauerte die Entwicklung und Ausarbeitung der aufwändigen Skulpturen in den Meisterateliers der Manufaktur. Allein zum Gießen, Retuschieren und Ausarbeiten der charakteristischen Züge benötigen die Kunsthandwerker mehrere Wochen. Myth, das Einhorn, wird aus 10 Einzelelementen zusammengesetzt, das geflügelte Pferd sogar aus 11. Eine besondere Herausforderung ist hierbei die Fragilität des Einhorns, sowie die ausladende Flügelspannbreite des Pferdes. Darüber hinaus wurde ein einmaliges Montageverfahren entwickelt, um die hochsensiblen Flügel für einen Kunsttransport abnehmen zu können.

Statt eines Postaments, das sonst ein Objekt dieser Größe trägt, entschied sich Hirst für einen schmalen Sockel, handbemalt in 25 karätigem Feingold. Außerdem ließ er für die Bemalung der sezierten Figurenpartien im Labor von Nymphenburg sieben leuchtende Rot-, sowie verschiedene Rosé- und Gelbtöne entwickeln.

Um die vom Künstler gewünschte Intensität der Farben zu erhöhen, werden die sezierten Partien in mehreren Lagen bemalt, dann gebrannt und nochmals bemalt. Gleichzeitig muss die anatomische Struktur der Objekte erhalten bleiben. Die besonderen bildhauerischen Details der Figuren dürfen nicht übermalt werden. Hirst: „Trotzdem sie ihr Innenleben zeigen, sind diese Kreaturen majestätisch und hoffnungsvoll. Sie erscheinen real, nicht wie Fabelwesen. Damit können sie uns in der realen Welt vielleicht sogar eine Hilfe sein.“

Damien Hirst wurde 1965 in Bristol geboren und wuchs in Leeds auf. 1984 zog er nach London und arbeitete im Baugewerbe, bevor er von 1986 bis 1989 am Goldsmiths College sein Kunststudium (BA) absolvierte. In seinem zweiten Jahr am Goldsmiths College gründete und kuratierte Hirst „Freeze“, eine Gruppenausstellung mit eigenen Arbeiten und der seiner Kommilitonen. Das war der Startschuss für Hirsts erfolgreiche Künstlerlaufbahn und die einer ganzen Generation britischer Künstler. Zum Abschuss der Ausstellung malte er zwei Serien von farbigen Punkten an die Wände der Lagerhalle. Hirst beschreibt die Punktbilder als ein Mittel, um „die Freude an Farbe festzuhalten“ und erklärt, dass damit all seine Probleme, die er bislang mit Farbe hatte, gelöst seien. Sie zählen bis heute zu den produktivsten und markantesten Serien des Künstlers. 2012 wurden die Arbeiten in einer Show von bislang unbekanntem Ausmaß an 11 weltweiten Standorten der „Gagosian Gallery“ ausgestellt.
Seit 1987 haben weltweit über 80 Einzelausstellungen von Damien Hirst stattgefunden und seine Werke wurden in über 260 Gruppenausstellungen aufgenommen. 1995 gewann er den Turner Prize. Sein Beitrag zur Kunst Großbritanniens im Laufe der letzten zweieinhalb Jahrzehnte wurde 2012 mit einer großen Retrospektive in der Tate Modern gewürdigt. 2014 begann er seine Zusammenarbeit Nymphenburg. Hirst lebt und arbeitet in London, Gloucestershire und Devon.

also interesting