The Fairytale Recordings

The Fairytale Recordings, 2011
Performance mit acht Vasen aus Porzellan, glasiert, bemalt
Nr.1 GHOST, 2005 WORDS BY TOM MORTON
Nr.2 EVERYDAY, 2004 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.3 BLACK SPIRIT, 2004 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.4 POWER CHORDS, 2005 WORDS BY MICK PETER
Nr.5 VICE DE FORME (A DUEL OF WARRIORS), 2009 WORDS BY INA BLOM
Nr.6 BRUME, 2003 WORDS BY LILI REYNAUD DEWAR
Nr.7 BLACK HOLE, 2005 WORDS BY TOM MORTON
Nr.8 L´HUMOUR NOIR (SONG FOR SAÂD), 2010 WORDS BY TACITA DEAN

Saâdane Afifs höchst reflexives Arbeiten ist interdisziplinär angelegt, verbindet Bildende Kunst mit Text, Musik und Bewegung, verwandelt in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern eine Kunstform in eine andere. Indem Afif Schriftsteller einlädt, zu Werken bildender Kunst zu schreiben, dann wiederum Musiker und Schauspieler auf die so entstandenen Texte reagieren lässt, überträgt er das Visuelle auf andere Sinne. In Afifs erster Einzelausstellung in der Schweiz bei RaebervonStenglin wird solch ein Kreislauf zur Gänze durchgespielt:

Aus den als Antwort auf frühere Arbeiten entstandenen Liedtexten werden – via Performance und Arbeiten aus Nymphenburg Porzellan – Skulpturen, die den gesamten kreativen Prozess in sich aufnehmen. The Fairytale Recordings geht also von früheren Werken Afifs aus, zu denen die Autoren und Künstler Tom Morton, Lili Reynaud-Dewar, Mick Peter, Ina Blom und Tacita Dean Liedtexte entwickelt haben, die das Wesen der Werke widerspiegeln.

Die poetisch klingenden Titel wie "Ghost", "Black Hole" und "Vice De Forme (A Duel of Warriors)" beschwören dunklen Zauber. Von den Texten ausgehend hat Afif mit der Opernsängerin und Schauspielerin Katharina Schrade eine Performance erarbeitet, in der jeder Text zum Teil nachgesprochen und zum Teil in eine Inszenierung umgewandelt wurde. So entsteht eine Übertragung, eine Verarbeitung des Textes, der am Ende in eine speziell angefertigte Vase gesprochen wird, die dann versiegelt wird und die Verse für die Ewigkeit in sich behält.

Nach Afis Entwürfen wurden die acht ausgestellten Vasen in den Meisterwerkstätten der Porzellan Manufaktur Nymphenburg rein von Hand gefertigt. Jedes Objekt trägt eine andere Figurine auf ihrem Deckel, die Schrade in der Körperhaltung darstellt, in der sie ihre Performance beginnt. Außerdem geben eine Referenznummer, der Titel des Liedes und das Datum die jeweiligen Informationen zu der Aufnahme selbst wieder.

Für Saâdane Afif spielen alle am Entstehungsprozess Beteiligten eine wichtige Rolle – die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, die Autoren, die Schauspielerin und ihre Kostümbildner. Er sucht sie sorgfältig aus, um das Werk dank ihres speziellen Wissens und ihrem Savoir-faire mit Leben zu füllen.

Die Idee für diese Arbeit führt zurück zu (historischen) Vorstellungen von Tonaufnahmen noch vor Thomas Edison, zu Gedanken wie man diese in der Literatur vor der Aufklärung findet – beispielsweise bei François Rabelais, der sich die Möglichkeit ausmalte, das gesprochene Wort könnte eingefroren werden –, oder auch zur animistischen Vorstellung, dass nicht-menschliche Daseinsformen geistige Lebenskräfte verkörpern können.

Zusätzlich zu den Performances hat Afif Poster in limitierter Auflage entwickelt. Sie listen alle Elemente auf, die zur Ausstellung geführt haben und benennen alle am Werk Beteiligten, sind also eine visuelle Stellungnahme zur Ausstellung. Die grafische Präsentation der Namen zieht sich als Motiv durch Afifs Arbeiten und ist ein wichtiger Aspekt all seiner Ausstellungen. Durch die Verwandlung von Kunst in Literatur, Musik, Alben, Performances, künstlerische Objekte und Poster macht Afif den mitwirkenden Apparat sichtbar, der der Entstehung eines Werks zugrunde liegt – vor allem in Anlehnung an die Produktionsprozesse in der Musikindustrie.

In Nymphenburg werden in reiner Handarbeit Kunstwerke als singuläre Objekte oder streng limitierte Editionen nach Entwürfen von zeitgenössischen Künstlern gefertigt, die weltweit zu den anerkanntesten Kunstschaffenden zählen. Namhafte Bildende Künstler wie Carsten Höller, Olaf Nicolai und Wim Delvoye beschäftigen sich intensiv mit dem historischen und kulturellen Kontext von Nymphenburg und zeigen, wie herausragende künstlerische Visionen in Porzellan von höchster Qualität ihren Ausdruck finden.

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