Rachel Feinstein X Gagosian

Rachel Feinstein X Gagosian

In der klassischen Architektur kommen Frauen buchstäblich tragende Rollen zu. Die Künstlerin Rachel Feinstein hat sich monumentale Karyatiden, Säulen und Pfeiler in Frauengestalt, für ihre aktuelle Ausstellung Fates bei Gagosian in Athen zum Vorbild genommen. Die rund 190 Zentimeter großen Figuren Helen und Petra gehören zu den zentralen Werken der Exposition und sind in der Majolika-Werkstatt der Porzellan Manufaktur Nymphenburg entstanden. Insgesamt zehn Tage arbeitete die amerikanische Künstlerin gemeinsam mit den Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern der Manufaktur zusammen, um ihre Entwürfe in das große Format zu übertragen.

„Dass Künstler und Handwerker hier in der Werkstatt so eng zusammenarbeiten können, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Ingrid Harding, Produktentwicklerin bei Nymphenburg. Bei einer Höhe von 190 Zentimetern wird die Arbeit mit Terrakotta zu einer besonderen technischen und bildhauerischen Aufgabe. Die Figuren werden aufgebaut, ausgehöhlt und anschließend wieder zusammengesetzt. Jede Entscheidung muss berücksichtigen, wie sich das Material beim Trocknen und später im Brand verhält. „Das ist kein reines Aufblasen der 60 Zentimeter großen Modelle, sondern während des Prozesses verändern sich noch Proportionen und Details“, erklärt Harding. Es gehört zu den Besonderheiten der Nymphenburger Majolika-Werkstatt, dass Figuren dieser Dimension überhaupt in die Brennöfen passen.

Auch die Bemalung entstand in Nymphenburg und verlangt eine sehr sichere Hand. Die Farbe wird direkt auf das bereits gebrannte Material aufgetragen; einmal Gemaltes lässt sich kaum wieder verändern. Die Malerinnen müssen deshalb mit großer Präzision und Entschlossenheit arbeiten – und die Künstlerin darauf vertrauen, dass ihre Vorstellungen in der Werkstatt umgesetzt werden.

Die gegenseitige Wertschätzung zwischen Rachel Feinstein und der Manufaktur beruht auf langjähriger Zusammenarbeit und begann mit einem früheren Projekt für Gagosian Los Angeles. Damals sollten komplexe Rokoko-Sockel entstehen – absolutes Neuland für die Werkstatt. Statt von der Umsetzung abzuraten, nahm das Team die Herausforderung an und entwickelte während der Arbeit Lösungen für Formen, für die es keine Erfahrungswerte gab. Aus solchen Projekten ist über die Jahre eine besondere Expertise entstanden, die sich in den Projekten Britannia für Gucci, bei dem Feinstein selbst in Nymphenburg malte, und das Porzellanprojekt Secrets manifestierte.

Auch Helen und Petra entwickelten sich erst in der Majolika-Werkstatt zu den Figuren, die nun in Athen zu sehen sind: Mit Sockeln und architektonischen Kapitellen erreichen sie eine imposante Gesamthöhe von rund 2,40 Metern. Während Helen auf Helena von Troja verweist, ist Petra eine Referenz auf Rainer Werner Fassbinders Film Die bitteren Tränen der Petra von Kant von 1972. Mit beiden Frauenfiguren haben Künstlerin und Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen der Manufaktur Objekte geschaffen, die antike Karyatiden in die Moderne transferieren.

Mehr zu der Zusammenarbeit der Künstlerin und der Porzellan Manufaktur Nymphenburg lesen Sie hier: A trip to Nymphenburg, Munich’s porcelain paradise

Rachel Feinstein: Fates
Gagosian, Athens
ab 24. September 2026